Wohnungsbau im Röthelheimpark: angemessen oder zerstörerisch?

Zur Kritik an der geplanten Nachverdichtung auf dem alten Reitplatz an der Paul-Gordan-Straße

Der ehemalige Reitplatz des alten Kasernengeländes im Röthelheimpark ist ein schöner Ort: brachliegend und grün mit Baumbestand, umgeben von denkmalgeschützten Gebäuden der alten Artilleriekaserne, die ein städtebauliches Ensembe bilden. Unversiegelte Plätze haben einen hohen Wert, Grünflächen und Bäume verbessern das Stadtklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität in der Stadt.
Nun soll der Reitplatz bebaut werden mit geförderten Wohnungsbau und vorübergehend mit einer Unterkunft für Geflüchtete. Diese Pläne sorgen für Aufregung und stoßen auf viel Kritik. Die Verärgerung der Anwohnenden ist verständlich. Nachverdichtungsmaßnahmen beeinträchtigen die Qualität des bestehenden Wohnumfeldes und hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck.

Die andere Seite: Wohnraum, vor allem bezahlbarer Wohnraum ist in Erlangen Mangelware. Wohnungsuche und Mietsteigerungen sind die Erlanger Top-Themen der letzten Jahre. Ca. 3700 Anträge von Menschen, die sie die Mieten auf dem freien Markt nicht leisten können, liegen auf den Schreibtischen der GeWoBau und der städtischen Abteilung für Wohnungswesen. Und: Die Situation von Geflüchteten ist prekär. Es ist ein erklärtes Ziel und eine schwierige Aufgabe der Stadt, diese Menschen angemessen unterzubringen.
„Der Neubau von Mehrgeschosswohnungen mit angemessener Nachverdichtung hat absolute Priorität bei der Stadtplanung und Stadtentwicklung“ – so steht es im grünen kommunalpolitischen Programm für die Stadtratswahl 2014. Ohne Frage, in der Vergangenheit ist bei der Entwicklung von neuen Baugebieten nicht alles optimal gelaufen. Im Innenstadtbereich wäre mehr Geschoss- und weniger Einzelhausbau besser gewesen. Auch diese Vorgaben müssen nun mit neuer Nachverdichtung kompensiert werden. Mit kleinen und großen Bauprojekten werden die nächsten Jahre über die ganze Stadt verteilt neue Wohnungen gebaut. Gerade gibt es großen Widerstand der Anwohnenden gegen neue Wohnungen am Burgerg.

Im Süden des Röthelheimparks entsteht in den nächsten drei Jahren geförderter Wohnraum für 400 Menschen. Dazu werden alle bestehenden Gebäude der ehemaligen Housing-Area um zwei Stockwerke aufgestockt. Die Verteilung auf sehr unterschiedliche Wohngebiete verhindert, dass einzelne Stadtviertel besonders belastet werden. Das bedeutet nicht, dass alle Projekte nach einer allgemeinen Schablone realisiert und die örtlichen Besonderheiten übergangen werden können. Beim alten Reitplatz hat der Denkmalschutz einen hohen Stellenwert. Auf Antrag der Grünen Liste soll voererst der Baukunstbeirat das Bauvorhaben begutachten. Auf die städtebauliche Grundstruktur der Artillierieanlage muss planerisch sensibel reagiert werden.

Die allgemeine Knappheit an städtischen Wohnraum hat auch weitreichende ökologische Konsequenzen. Viele in Erlangen Beschäftigte finden keine geeignete Wohnung in der Stadt, ziehen deshalb ins Umland und pendeln täglich mit dem Auto zur Arbeit. Der motorisierte Individualverkehr trägt wesentlich zur Versiegelung und zum Flächenverbrauch bei. Täglich werden in Deutschland rund 69 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen – dies entspricht ca. 98 Fußballfeldern. Die Zersiedlung schreitet ungebremst voran, wenn nicht im städtischen Raum zusätzliche Wohnungen geschaffen werden.

2 Gedanken zu „Wohnungsbau im Röthelheimpark: angemessen oder zerstörerisch?“

  1. Zitat: „Die Verteilung auf sehr unterschiedliche Wohngebiete verhindert, dass einzelne Stadtviertel besonders belastet werden.“

    Die im Artikel angesprochene Maßnahme der Aufstockung der viergeschossigen Blocks um 2 Stockwerke findet dort statt wo bisher auch schon sozialer Wohnungsbau – überwiegend bewohnt von Menschen mit Migrationshintergrund vorherrscht.
    Die Konzentration von sozialem Wohnungsbau auf einzelne Brennpunkte – das kann kein gutes Konzept sein. Es sollen zu den hunderten Menschen in Sozialwohnung noch einmal hunderte Menschen in den gleichen Häusern, ehemaligen Kasernenwohnblocks einziehen.
    Parkplätze, Bushaltestellen, Kindergartenplätze, Grünanlagen, dazu gibt es kein Konzept. Erst mal bauen, den Rest sehen wir schon.
    Hier wird sehenden Auges ein neuer sozialer Brennpunkt geschaffen. Und hinterher sagt die Stadtverwaltung dann „das konnte ja keiner vorhersehen…“.

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  2. In Erlangen ist die Nachfrage nach Wohnungen deutlich höher, als das Angebot. Dies ist der Hauptgrund dafür, daß bei uns und auch in anderen Ballungsräumen die Mieten in den letzten Jahren stark bis extrem angestiegen sind. Die Schaffung neuer Sozialwohnungen hilft den Wohnungssuchenden. Aber auch für die BestandsmieterInnen ist dies von Vorteil, da dadurch der Mietanstieg in Zukunft deutlich gebremst werden kann. Da die neuen Wohnungen nicht in 10 Jahren, sondern jetzt benötigt werden, prüft die Stadt sämtliche Möglichkeiten, kurzfristig neuen Sozialwohnraum zu schaffen. In diesem Rahmen werden die Gebäude in der Housing Area um zwei Stockwerke aufgestockt. Auch in anderen Gebieten laufen bereits Nachverdichtungsmaßnahmen. Weitere sind in Planung. Der Vorteil bei den Gebäuden in der Housing Area ist, daß sie Eigentum der städtischen GeWoBau GmbH sind, so daß hier eine schnelle Nachverdichtung möglich ist und eine Nachverdichtung mit ausschließlich Sozialwohnungen. Anzumerken ist, daß die Bestandswohnungen keine Sozialwohnungen sind. Da es sich hierbei um Wohnungen der GeWoBau GmbH handelt, sind aber die Mieten im Vergleich zu anderen Wohnungen in Erlangen relativ niedrig.

    Die Nachverdichtung in der Housing Area ist daher nicht nur wohnungspolitisch sinnvoll, sondern notwendig.

    Selbstverständlich ist der Stadt bewusst, daß im Rahmen der Nachverdichtung auch die erforderlichen sozialen Einrichtungen geschaffen werden müssen, wobei diese zum größten Teil schon vorhanden sind und noch entsprechende Kapazitäten haben.

    Wolfgang Winkler, wohnungspolitischer Sprecher der GL-Stadtratsfraktion

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