Verwendung von Recyclingpapier

Papierverbrauch und Papierwahl sind unmittelbar mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz verbunden. Deutschland ist der größte Hersteller und Konsument von grafischen Papieren in Europa. Nach einer Festlegung von 1990 sollte in der Erlanger Verwaltung grundsätzlich Recyclingpapier verwendet werden. Z.B. die Bürgermeister und fast alle Tochtergesellschaften verwenden aber kein Recycling-Papier. Diese Verweigerungshaltung lässt sich nur auf Vorurteile zurückführen, meint die Grüne Liste und hat die grundsätzliche Verwendung von Recycling-Papier beantragt.

 

Stadtratsantrag

Papierverbrauch und Papierwahl sind unmittelbar mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz verbunden. Deutschland ist der größte Hersteller und Konsument von grafischen Papieren in Europa.

Das Hintergrundpapier „Ökobilanzen für graphische Papiere“ des Umweltbundesamtes hob vor 10 Jahren hervor, dass es „wesentlich umweltverträglicher ist, graphische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dazu frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu benutzen“. Dieses Jahr hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg die Herstellung von Frischfaser- und Recyclingpapier neu untersucht. Das Resümee lautet: Bei allen betrachteten Indikatoren ist die Umweltbilanz des Recyclingpapiers eindeutig im Vorteil. So spart ein einziges Paket Recyclingpapier (500 Blatt) im Vergleich zu Frischfaserpapier eine fossile Energiemenge ein, mit der eine 100 Watt Glühlampe 44 Stunden lang brennen könnte. Bei der Produktion von Frischfaserpapier ist insbesondere der enorm hohe Wasserverbrauch sowie der Zellstofftransport aus wichtigen Herkunftsländern aufgrund der langen Transportwege ökologisch bedenklich. „Diese Ergebnisse belegen: Nachhaltigkeit beginnt auf dem Schreibtisch. Wer verantwortungsvoll handeln will, schreibt und druckt auf Recyclingpapier“ (Franz Winter, „Initiative pro Recyclingpapier“).

Recyclingpapier dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ erfüllt nachgewiesenermaßen bezüglich Bedruck- und Kopierbarkeit alle Qualitätsanforderungen. Auch die Archivierbarkeit stellt kein Problem dar, da alle Recyclingpapiere mit dem Blauen Engel bei entsprechender Behandlung und Lagerung eine Lebensdauer von mehreren Hundert Jahren haben.

In der Erlanger Stadtverwaltung soll nach einer Festlegung aus dem Jahr 1990 grundsätzlich Recyclingpapier verwendet werden. Aktuell werden nach unserem Kenntnisstand zwei Papiersorten zentral für die städtischen Dienststellen und den Entwässerungsbetrieb beschafft: Recyclingpapier und weißes chlorfrei gebleichtes (tcf) Frischfaserpapier. Der Recyclingpapieranteil über diesen Bestellweg beträgt noch 96  %. Das tcf-Papier ist eigentlich nur für Ämter gedacht, bei denen die Verwendung einer bestimmten Papiersorte vorgeschrieben ist (Standesamt, Pass- und Ausweiswesen). Auf den ersten Blick eine erfreuliche Bilanz.

Aber: z. B. die städtischen Tochtergesellschaften und der Oberbürgermeister bestellen ihr Papier direkt und verwenden grundsätzlich kein Recyclingpapier, sind also in der obigen Statistik nicht enthalten. Aufgrund einer Anfrage der Grünen Liste wurde vor drei Jahren eine Umfrage zur Papierverwendung in der Verwaltung gestartet. Diese ergab auch, dass im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters, des Bürgermeisters bei allen städtischen Tochtergesellschaften (außer EBE) und beim Zweckverband Abfallwirtschaft gar kein Recyclingpapier verwendet wird. Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl auch die städtischen Tochtergesellschaften 1990 gebeten wurden, sich einem weitgehenden Einsatz von Recyclingpapier anzuschließen. Die GGFA machte damals keine Angaben, verwendet aber nach unserer Beobachtung auch kein Recyclingpapier.

Außerdem gibt es wohl Bestrebungen einzelner Dienststellen, den grundsätzlichen Einsatz von Recyclingpapier in der Verwaltung zu unterlaufen, weil sie Frischfaserpapier „ansehnlicher“ finden. Bei der Grünen Liste sind in letzter Zeit vermehrt Schriftsätze verschiedener Ämter auf weißem Papier eingegangen, die früher immer auf Recyclingpapier ausgedruckt bzw. kopiert waren. Diese Verweigerungshaltung lässt sich nur auf Vorurteile oder Missverständnisse beim Einsatz von Recyclingpapieren zurückführen. Auch sollte die Anzahl der Leute, die inzwischen ein Erscheinungsbild mit blütenweißem Papier eher negativ empfinden, nicht unterschätzt werden. Ärgerlich an dieser Tendenz ist zudem, dass das weiße Papier wesentlich teuerer als das Recyclingpapier ist. Ein nicht unerheblicher finanzieller Faktor angesichts des hohen Papierverbrauchs, der auch nach den EDV-Umstellungen der letzten Zeit nicht rückläufig ist. Heutige „eGovernment“-Anwendungen vermeiden oft nur den Einsatz von Briefumschlägen und Briefmarken, die eigentlichen Dokumente aber werden an beiden Enden der Leitung auf Papier ausgedruckt und das möglichst von allen Beteiligten.

Wir beantragen – auch hinsichtlich des Umweltjahres 2007:

  1. In allen Bereichten der Stadtverwaltung wird für den gesamten Schriftverkehr und für alle anderen Ausdrucke und Hausdrucksachen grundsätzlich Recycling-Papier verwendet. Ausgenommen sind nur Dienststellen, bei denen eine besondere Papierqualität vorgeschrieben ist (Standesamt, Pass- und Ausweiswesen). OBM, BM und BM2 gehen mit gutem Beispiel voran. Dienststellen, die Teile ihres Papierbedarfes selber bestellen, werden angewiesen, auch hier nur Recyclingpapier mit dem blauen Umweltengel zu verwenden.

  1. Die städtischen VertreterInnen in den Aufsichträten der Tochtergesellschaften bzw. im Verwaltungsrat der GGFA wirken darauf hin, dass auch dort endlich grundsätzlich Recycling-Papiere verwendet werden.

  1. Außerdem beantragen wir einen Bericht der Geschäftsbereiche und Tochtergesellschaften, die ihr Papieraufkommen oder Teile davon direkt bestellen, welche Mengen an welchen Papiersorten bei welcher Firma bestellt werden.

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