Umgang mit Obdachlosen

Seit 1996 versucht die Stadt Erlangen, sich als Bundeshauptstadt der Medizin und Gesundheit zu profilieren. Bisher dachten wir, daß dies auch bedeutet, möglichst gesunde Wohnbedingungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt zu schaffen. Zwischenzeitlich sind wir eines besseren belehrt worden. Für Obdachlose gilt dies anscheinend nicht.

 

Bisher wurde ein Teil der alleinstehenden Obdachlosen in einem zentrumsnahen Gebäude untergebracht. Das Gebäude wird jetzt zur Aufbesserung der städtischen Finanzen verkauft. Die Obdachlosen sollen statt dessen in einem Gebäude untergebracht werden, das am Stadtrand  zwischen der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Berlin und der Autobahn A73 liegt. Zwischen der Autobahn und dem Gebäude befindet sich nur noch die Bundesstraße B4. Lärmschutzeinrichtungen gibt es an dieser Stelle nicht. Die Fenster des Gebäudes sind uralt und haben die Lärmschutzklasse Null. Messungen des städtischen Umweltamtes haben eine durchschnittliche Lärmbelastung im Anwesen bei offenem Fenster von 65 dB bis 76 dB und bei geschlossenem Fenster von 46 dB bis 51 dB ergeben.

Vor der Unterbringung der Obdachlosen sollen die Fenster lediglich eine Gummidichtung erhalten und die Räume eine Innenbelüftung. Dadurch wird die Lärmbelastung kaum verbessert. Andererseits wird dadurch die Gefahr von Schimmelbildungen wegen ungenügender Belüftung der Räume erheblich erhöht. Gesundheitliche Schäden für die Bewohner sind daher vorhersehbar und werden offensichtlich in Kauf genommen. 

Ein Austausch der Fenster gegen Fenster der Lärmschutzklasse vier, wie vom Umweltamt vorgeschlagen, wurde von der Stadtratsmehrheit aus CSU, FDP und Freien Wählern aus Kostengründen abgelehnt. Genauso die Unterbringung der Obdachlosen in einem menschenwürdigen Gebäude. Dieses Vorgehen wurde von der Stadtverwaltung selbst vorgeschlagen.

Wer sich selbst zur Bundeshauptstadt der Gesundheit und Medizin ernennt, sollte sicherlich nicht so mit der Gesundheit des Teiles seiner Bevölkerung umgehen, der sich am wenigsten wehren kann.

Mit freundlichen Grüßen

(W. Winkler)

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