Sitzplätze statt Stellplätze

Im Verkehrsentwicklungsplan heißt es auf Seite 128: „Der öffentliche Raum ist nicht fair verteilt. Straßenräume sind häufig rein nach den Anforderungen des fließenden Verkehrs angelegt. (…) Es gilt, nicht nur die verkehrstechnischen Aspekte zu beachten, sondern (…) die Optionen für Aktivitäten auf dem Weg (Aufenthalt, Beobachtung, Spiel, Kommunikation) zu erweitern.“

Die Pandemie hat den Druck auf den öffentlichen Raum noch einmal verstärkt, da die Menschen ihre Freizeit verstärkt wohnungsnah verbracht haben. Dies hat auch das öffentliche Bewusstsein dafür verstärkt, wie einseitig öffentliche Verkehrsflächen derzeit vom fahrenden und ruhenden MIV beansprucht werden. Insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten mit gleichzeitig hohem Anteil an Wohnbevölkerung müssen die Verkehrsflächen in Zukunft stärker für verschiedene Nutzungen zur Verfügung stehen.

Ein besserer Ausgleich zwischen den Bedürfnissen des ruhenden Verkehrs und den Bedürfnissen der Anwohner*innen nach Begegnung, Aufenthalt, Erholung und Spiel ist zu schaffen. Ein Ansatz dazu ist, Anwohner*innen zu ermöglichen, Straßenraum zum Begegnungs- und Erholungsraum umzunutzen. Dabei bietet sich auch die Gelegenheit, mobiles Grün zu schaffen und zur Pflege an die Anwohner*innen zu übergeben. Hiermit erhöht sich die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume, es kommt zu weniger Aufheizung durch Verschattung und kühlende Wirkung von Pflanzen.

Die Stadt Erlangen sollte hierzu ein einheitliches, gestalterisch hochwertiges, geeignetes Straßenmobiliar anbieten, Anwohner*innen können die Aufstellung dieses Mobiliars im Verkehrsraum vor ihren Gebäuden beantragen. Zum Beispiel:
https://www.streetlife.nl/de/begr%C3%BCnte-b%C3%A4nke-bauminseln-podien

Um die Schwelle für die Beantragung möglichst niedrig zu halten, muss der Genehmigungsprozess für Anwohner*innen, Gewerbetreibende und sonstige Interessengruppen möglichst einfach gestaltet werden. Daher soll die Stadt ein Verfahren etablieren, das sicherstellt, dass diese Anträge zügig und unbürokratisch genehmigt werden. Die Genehmigung kann zeitlich begrenzt erfolgen, um zu Beginn Erfahrungen mit dem Projekt zu sammeln und um sich ändernden Bedürfnissen der Anlieger*innen gerecht zu werden.

Wir beantragen:
• Die Verwaltung bietet ein geeignetes Straßenmobiliar in Kombination von Sitzgelegenheit und Bepflanzung an, das sich zur Aufstellung im öffentlichen Straßenraum eignet.

• Die Verwaltung entwickelt ein Standardverfahren zur Genehmigung von Sitzplätzen statt Stellplätzen im Stadtgebiet.

• Die Verwaltung entwickelt ein Konzept zur Finanzierung und benennt ggf. erforderliche Haushaltsmittel.

Tina Prietz (Sprecherin für Klimaschutz und Partizipation)
Kerstin Heuer (Sprecherin für Bildung und Bauen)
Dr. Birgit Marenbach (Fraktionsvorsitzende)

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