„Die Wölfe“ – Premiere

Von entrüsteten TheaterbesucherInnen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass laut Ankündigung im Spielplan des „Theaters Erlangen“ am 23. Oktober 03, das Stück „Die Wölfe“ des NS-Dramatikers Hans Rehberg als Premiere aufgeführt werden soll.

Antrag

Von entrüsteten TheaterbesucherInnen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass laut Ankündigung im Spielplan des „Theaters Erlangen“ am 23. Oktober 03, das Stück „Die Wölfe“ des NS-Dramatikers Hans Rehberg als Premiere aufgeführt werden soll.

Dazu beantragen wir, dass folgende Fragen in einer der nächsten Stadtrats- oder Ausschusssit-zung behandelt werden:

Weiß die Stadt Erlangen über Leben und Werk von Hans Rehberg Bescheid?

Ist bekannt,
– dass Hans Rehberg, wie einschlägige Unterlagen im Bundesarchiv Berlin (ehemals „Berlin Document Center“) belegen, bereits im Jahr 1930 in die NSDAP eingetreten ist?
– dass der Aufstieg des Dramatikers Hans Rehberg unmittelbar mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begann?
– dass Hans Rehberg anlässlich von Hitlers Geburtstag eine Hymne mit dem Titel „Dem Führer“ (erschienen in der „Neuen Rundschau“ 5/1939) verfasst hat?
– dass Hans Rehberg Autor der England feindlichen Hörspieltrilogie „Suez. Faschoda. Kapstadt“ ist, die 1940 in französischer Sprache ausgestrahlt wurde und den Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich propagandistisch begleitete?
– dass es sich bei seinem Stück „Die Wölfe“ um die dramatisierte Berichterstattung ei-nes U-Boot-Angriffes auf ein britisches Schiff handelt, und dass darin der „Heldentod fürs Vaterland“ verherrlicht wird?
– dass der „Völkische Beobachter“ am 21. April 1944 aus Anlass von Hitlers Geburtstag eine „Kunstbetrachtung“ über die Uraufführung des Stückes brachte und wie das Stück dort beurteilt wird?

Was hat das Theater Erlangen dazu bewogen, im Jahr 2003 ein NS-Durchhaltestück wie „Die Wölfe“ in dem der Angriffs- und Vernichtungskrieg der Nazis verherrlicht wird, auf den Spiel-plan zu setzen?

Ein paar Zitate von und über Hans Rehberg:

„Rehbergs ambivalente Haltung zur Diktatur verstellt den Zugang auf ein komplexes und widersprüchli-ches Gesamtwerk“
(Ankündigung von „Die Wölfe“ im Jahresheft des Theaters Erlangen)

„Einmal aber wird die Sehnsucht wach und das Gewissen laut, die Vollendung des deutschen Theaters durch eine neuen Beginn zu überbieten – durch die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Gegen wart. (…) Dies muß daher vor allem anderen bekannt werden: Hans Rehberg hat damit allen Ernstes begonnen. (…) Zum ersten Male fordert er sich ab, was die Stunde der Soldaten verlangt. (…)

Eine seltsame Totenbeschwörung erst führt sie zu den Menschen und zu ihrer Gemeinschaft, zur Erde des Vaterlands zurück.“
(„Von der Armee der Toten – Zur Breslauer Uraufführung von Hans Rehbergs U-Boot-Drama
‚Die Wölfe'“ in Völkischer Beobachter 20.04.1944)

„(…) Der Führer, den wir blind, auch du wie ich, begleiten
Seit langer Zeit, war mächt’ger als ein Mann begriff.
Nun bildet tiefer er als die lebendige Zeit begreift.
Und das mit reicher Fracht beladene Schiff
Der Deutschen segelt weit hinaus. Es reift
Die Saat! Das soll uns auch der andre nicht bestreiten. (…)“
(Aus der Hymne „Dem Führer“ von Hans Rehberg zum 50sten Geburtstag von Adolf Hitler)

„Unter den Nazis schwang er sich zu einer Art von preußischem Staats-Dramatiker auf“
(Carl Zuckmayer, Geheimreport, Göttingen 2002, S. 64)

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