»Greenwashing« auf dem Erlanger Rathaus

Greenwashing Erlanger Rathaus

GRÜNE/GL, ÖDP und Klimaliste kritisieren die beschlossenen Windwalzen als Luftnummer
 
Sich in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches Image zu verleihen ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt, wird als „Greenwashing“ bezeichnet. Ein solches Verhalten wird derzeit von der Stadtregierung verfolgt. Darin besteht bei GRÜNEN, ÖDP und Klimaliste große Einigkeit.
Es geht um 5 Windwalzen, die gemäß CSU/SPD Beschluss im letzten Bauausschuss für die stolze Summe von 63.000 Euro gekauft und auf dem Dach des Rathauses installiert werden sollen. „Auf den ersten Blick schien das Projekt eine gute Idee. Allerdings gibt es vom Hersteller bislang keinen Nachweis, dass die Windwalzen tatsächlich funktionieren. Wir kaufen also die Katze im Sack!“, betont Birgit Marenbach, eine der beiden grünen Fraktionsvorsitzenden. Deshalb wurde zunächst der Antrag auf Verschiebung des Projekts gestellt, bis belastbare Daten vorliegen – leider ohne Erfolg. Auch der zweite Antrag, die Walzen erst nach einer Erprobungsphase auf dem Rathausdach vom Hersteller zu übernehmen, stieß zwar auf breite Zustimmung der gesamten Opposition, wurde aber letztendlich von CSU und SPD abgelehnt.


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Bei der Präsentation der Windwalzen vor den Sommerferien wurde noch ein bescheidener Windstromertrag von 3.300 kWh pro Jahr für ursprünglich 6 Walzen abgeschätzt. Damit hätte man eine geringfügige CO2-Einsparung – etwa vergleichbar mit einer Solaranlage auf einer Doppelgarage – erzielen können. Die Menge würde ausreichen, um eine Familie mit regenerativem Strom zu versorgen.

Mittlerweile gibt es von Seiten des Herstellers überhaupt keine Angaben mehr zur Windstromleistung, z.B. in Form einer Kennlinie. Über diese Rücknahme zeigt sich Stadträtin Eva Linhart sehr irritiert „Einen Vertragsabschluss über Windanlagen ohne vereinbarte elektrische Leistung halte ich für unseriös. Es kauft doch auch niemand ein Auto ohne Nachweis, dass es fährt.“ Stadtrat Martin Hundhausen von der Klimaliste schließt sich an: „Als Wissenschaftler stehe ich Innovationen und neuen Technologien grundsätzlich positiv gegenüber. Aber aufgrund der vorliegenden Faktenlage teile ich die Skepsis vieler Experten aus der Windbranche, ob diese Art der Windenergieerzeugung überhaupt funktioniert.“

Insgesamt wird das Potential von Windwalzen gegenüber Solaranlagen als sehr gering eingeschätzt: Der hier prognostizierte Stromertrag durch Windenergie ist äußerst dürftig. Mit der Montage von Solarmodulen auf dem Gehäuse der Windwalzen wird vom Hersteller der Versuch unternommen, diese magere Ertragsbilanz etwas “aufzuhübschen“. Dabei lässt sich mit einer reinen Solaranlage für denselben Preis nicht nur eine, sondern 10 Familien mit Ökostrom versorgen und deutlich mehr CO2 einsparen. Selbst mit einem Batteriespeicher, um auch nachts Strom zur Verfügung zu haben, sind Solaranlagen noch um ein Vielfaches wirtschaftlicher. ÖDP-Stadträtin Barbara Grille verdeutlicht: „Es gibt in der Stadt noch ausreichend ungenutzte Dächer und Flächen, auf die Solaranlagen gebaut werden könnten. Der Klimawandel fordert nicht nur engagiertes, sondern auch sinnvolles, schnelles und effektives Handeln“.

Manch eine Partei nimmt für sich in Anspruch, den Haushaltsgrundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ganz besonders zu beherzigen. Aber offenbar ist in diesem Fall der Wunsch nach einem symbolträchtigen Prestigeprojekt größer, als der technische Sachverstand und die wirtschaftliche Vernunft.

Ein klarer Fall von „Greenwashing“.

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