Irreführende Erfolgsmeldungen über den Anteil von Recycling-Papier

GL beantragt umfassendes grünes Beschaffungswesen

Gerne zitiert das städtische Presseamt den Papieratlas der ‚Initiative Pro Recyclingpapier‘: Dort ist Erlangen unter den Städten gelistet, die in ihren Verwaltungen zu 100 Prozent Recyclingpapier einsetzen würden. Diese Erfolgsquote bezieht sich aber nur auf die zentrale Papierbeschaffung der Stadtverwaltung. Manche Bereiche, Tochtergesellschaften und Schulen gehen eigene Wege und sind in den 100% nicht enthalten. Sogar der Oberbürgermeister verwendet an der zentralen Beschaffung vorbei bestelltes reinweißes Papier.
Seit Jahren fordert die Grüne Liste einen konsequenten Umstieg auf Recycling-Produkte bei allen Ämtern, Schulen und Tochtergesellschaften.

 

Gerne zitiert das städtische Presseamt den Papieratlas der ‚Initiative Pro Recyclingpapier‘: Dort ist Erlangen unter den Städten gelistet, die in ihren Verwaltungen zu 100 Prozent Recyclingpapier einsetzen würden.
„Diese Erfolgsquote bezieht sich aber nur auf die zentrale Papierbeschaffung der Stadtverwaltung. Aufträge, die an externe Druckereien vergeben und selten auf Recycling-Papier ausgeführt werden, sind hier nicht berücksichtigt“, merkt GL-Stadtrat Harald Bußmann an. Es gibt auch Abteilungen, die auf anderem Wege Frischfaserpapier bestellen und deshalb von dieser Statistik ebenfalls nicht erfasst werden. Auch die Tochtergesellschaften und Schulen gehen eigene Wege und sind in den 100% nicht enthalten. „Leider verwendet sogar der Oberbürgermeister für seinen Schriftverkehr immer noch an der zentralen Beschaffung vorbei bestelltes reinweißes Papier“, bedauert sein Stadtratskollege Helmut Wening.  „Viele Ämter zeigen leider kein großes Interesse“.
So ist das Bürgermeister- und Presseamt erstaunlich schlecht informiert: „Wie uns Fachleute bestätigten, verbraucht Recyclingpapier in der Herstellung ein Vielfaches mehr an Energie gegenüber z.B. dem FSC-zertifizierten Papier“, schrieb ein Mitarbeiter des Presseamtes an die Grüne Liste und forderte eine entsprechende Richtigstellung im GL-Info. Tatsächlich verhält es sich genau andersrum: Die Produktion von Recycling-Papier verbraucht wesentlich weniger Energie als FSC-Frischfaserpapier. Dies hätte der städtische Mitarbeiter mit einem Anruf beim Umweltamt oder einem Blick ins Internet mühelos recherchieren können. Er begnügte sich aber mit der Aussage des Lieferanten für das an der zentralen Beschaffung vorbei bestellte weiße Papier.  
Seit Jahren fordert die Grüne Liste einen konsequenten Umstieg auf Recycling-Produkte bei allen Ämtern, Schulen und Tochtergesellschaften. Die Rechtslage nach dem Bayerischen Abfallgesetz ist eindeutig: Die Verwendung von Papier, das nicht aus Recyclingmaterial besteht, ist im Bereich der öffentlichen Hand unzulässig. Dies gilt nicht nur für kommunale und staatliche Institutionen, sondern auch für Einrichtungen, in denen diese einen beherrschenden Einfluss ausüben.
„Eine umfassende Verwendung von Recycling-Papier kann erst erreicht werden“, so Bußmann weiter, „wenn alle Ämter, Schulen und Tochtergesell-schaften das zentrale städtische Beschaffungswesen nutzen müssen und nicht daran vorbei agieren können.“ Außerdem ergeben sich aus einer besseren Nutzung der zentralen Beschaffungswege Synergieeffekte und Kosten-reduzierung.
Mit einem Stadtratsantrag will die Grüne Liste erreichen, dass die gesamte Papierbeschaffung für den Konzern Stadt, einschließlich der Schulen und Tochtergesellschaften, zukünftig über die zentrale Papierbeschaffung der Verwaltung abgewickelt wird. Für Bußmann wäre dies „ein wichtiger Schritt hin zu einem ökologischen Beschaffungswesen.“

Stadtratsantrag Papierbeschaffung für Verwaltung, Schulen und Tochtergesellschaften

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