Temporäre Spielbereiche

Im Verkehrsentwicklungsplan heißt es auf Seite 128: „Der öffentliche Raum ist nicht fair verteilt. Straßenräume sind häufig rein nach den Anforderungen des fließenden Verkehrs angelegt. (…) Es gilt, nicht nur die verkehrstechnischen Aspekte zu beachten, sondern (…) die Optionen für Aktivitäten ‚auf dem Weg‘ (Aufenthalt, Beobachtung, Spiel, Kommunikation) zu erweitern.“

Früher spielten Kinder vor allem draußen. In der dicht besiedelten Stadt ist dies heute kaum mehr möglich, die Straßen werden vom Autoverkehr dominiert. Außerdem gibt es im Stadtgebiet einige Kindertageseinrichtungen, die über keine oder nur kleine eigene Freiflächen verfügen. Fangen Spielen, Inlinerfahren, Ballspiele, Kreidebilder Malen, Hüpfgummi oder Seilspringen – all das ist für Kinder in der Stadt nur erlebbar, wenn man ihnen Raum zur Verfügung stellt, der derzeit Autos vorbehalten ist. Spielnachmittage im Freien kommen nicht nur dem Bewegungsdrang der Kinder zugute, sie haben auch positive Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Nachbarschaft, auch generationenübergreifend.

Als Ergänzung zu Spiel- und Bolzplätzen ermöglichen daher verschiedene Städte die Einrichtung von temporären Spielbereichen auf Straßen, z.B. Berlin, Bremen und demnächst auch Fürth. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert und unterstützt den Ausbau derartiger Projekte.
Nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sollten unserer Ansicht nach insbesondere Kinder und Jugendliche, die in besonderem Maße darunter litten und immer noch leiden, neue Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten auch auf Verkehrsflächen bekommen.

Mit wenig Aufwand lassen sich solche Aktionen regelmäßig an verschiedenen Stellen der Stadt durchführen, z.B. in den Nebenstraßen der Innenstadt, in Wohnstraßen am Anger, in Bruck, Alterlangen oder Büchenbach. Besonders Kindertageseinrichtungen ohne eigene Freiflächen können davon profitieren. Die Kinderei in der Engelstraße würde ein solches Projekt gerne umsetzen.

Dass die temporäre Einrichtung von Spielbereichen mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar ist, zeigt das entsprechende Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes für das Abgeordnetenhaus von Berlin:
https://www.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/4_Spiel_und_Bewegung/4.11_Gudvanger_Strasse/Gutachten_Spielstrassen.pdf

Um die Schwelle für die Beantragung möglichst niedrig zu halten, muss der Genehmigungsprozess für Kindertageseinrichtungen, Eltern und andere private Initiativen möglichst einfach gestaltet werden. Daher soll die Stadt ein Verfahren etablieren, das sicherstellt, dass diese Anträge zügig und unbürokratisch genehmigt werden.

Wir beantragen:

• Die Verwaltung entwickelt ein Standardverfahren zur Genehmigung von temporären Spielbereichen im Stadtgebiet.
• Gemeinsam mit der Kinderei /Engelstraße erfolgt Errichtung eines temporären Spielbereichs in der Engelstraße.

Tina Prietz (Sprecherin für Klimaschutz und Partizipation)
Kerstin Heuer (Sprecherin für Bildung und Bauen)
Dr. Birgit Marenbach (Fraktionsvorsitzende)

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