„Baum-Turbo“ mit Qualität statt Quantität

Die Fraktionen GRÜNE/GL und CSU beantragen:

  • Die Verwaltung wird beauftragt, einen „Baum-Turbo“ für Erlangen zu entwickeln. Ziel ist es, im Rahmen der engen Grenzen des Haushalts umsetzbare Maßnahmen zur dauerhaften Pflanzung zukünftig großkroniger Stadtbäume auf geeigneten städtischen Plätzen und Straßenräumen, insbesondere in der Innenstadt umzusetzen. Die Liste „Entsiegelung der Plätze in Erlangen“ und die Klimaanalysekarte Erlangen dient als fachliche Grundlage für die Priorisierung der Standorte.
  • Zur Finanzierung soll nach Möglichkeit das überfraktionell beantragte digitale Beteiligungsprogramm genutzt werden (vgl. Antrag für ein Beteiligungsprogramm für Begrünung und Klimaanpassung). Sollte sich eine eigen städtische Spendenplattform nicht zeitnah realisieren lassen, ist eine Kooperation mit bestehenden Partnern zur Generierung von Spenden zu prüfen.
  • Bei dauerhaften Pflanzungen gilt der Grundsatz „Qualität vor Quantität“. Es sollen bevorzugt große und zukunftsfähige Bäume gepflanzt werden. Dabei sind ausreichender Wurzelraum, entsiegelte Baumscheiben, gute Wasserversorgung, geeignete Baumarten und langfristige Entwicklungsmöglichkeiten verbindlich mitzudenken.
  • Definition zur Pflanzung großkroniger Stadtbäume in diesem Antrag: Gut ausgewählte Standorte mit einer möglichst großen Fläche an entweder gewachsenem Boden oder neu angelegten Wuchsorten im städtischen Umfeld werden priorisiert. Grundlage hierfür ist die FLL Richtlinie für Baumpflanzungen im urbanen Raum.
    Ausdrücklich ist hier pro Baum ein Bodenraum von 12 m³ Boden einzuplanen.
  • Für die Stadtentwicklung erarbeitet die Verwaltung ein langfristig wirksames Begrünungskonzept, das das Grünkonzept von 2018 weiterentwickelt und dabei aber einen klaren Fokus auf Stadtbäume legt, die systematisch als Teil der Grünen Infrastruktur erfasst werden. Es soll konkrete Aussagen zu Standorten, Baumarten, Klimaanpassung, Pflege, Wurzelräumen und Prioritäten enthalten (vgl. Vorbild Jena). https://planen-bauen.jena.de/system/files/2019-05/07-B%C3%A4ume_in_Jena_2016_www_0.pdf
  • Innenstadt und lokale Wirtschaft werden ausdrücklich mitgedacht. Begrünungsmaßnahmen sollen nicht nur dem Hitzeschutz dienen, sondern auch die Aufenthaltsqualität erhöhen, die Verweildauer in der Innenstadt stärken und damit ein attraktives Umfeld für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe sichern.
  • Dem Stadtrat wird noch vor dem nächsten Sommer ein erster Umsetzungsbericht vorgelegt

    Begründung:
    Die zunehmenden Hitzewellen der vergangenen Wochen haben erneut deutlich gemacht: Der Schutz und die Weiterentwicklung grüner Strukturen in der Stadt als zentrale Säule der Klimaanpassung sind keine freiwillige Verschönerungsmaßnahme mehr, sondern eine zentrale Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge.
    In der gemeinsamen Kooperationsvereinbarung haben wir uns vorgenommen, Klimaanpassung zielgerichtet umzusetzen, und ein Begrünungskonzept für Stadtbäume zu etablieren, einschließlich der Weiterentwicklung der „Herzensbäume“ und des Baumradars.
    Der „Baum-Turbo“ soll nun ein klares Signal setzen: Wo gebaut, verdichtet und versiegelt wurde, muss auch begrünt, verschattet und entsiegelt werden. Ziel ist es, die Stadt klimaresilienter, lebenswerter und wirtschaftlich attraktiver zu machen. Bäume leisten hierbei einen besonderen Beitrag. Sie spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung, verbessern das Mikroklima, binden Staub und sind Lebensraum für verschiedene Tiere.
    Stadtgrün ist nicht nur ein ökologisches Thema, sondern betrifft auch Gesundheit, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit der Innenstadt gleichermaßen. Eine aufgeheizte, versiegelte Innenstadt verliert an Attraktivität. Eine beschattete, grüne und gut gestaltete Innenstadt lädt zum Verweilen ein und stärkt damit auch die Geschäftsinhaber*innen vor Ort.
    Entscheidend ist dabei eine mittel- und langfristig wirksame Strategie. Große Stadtbäume brauchen Raum, Wasser und gute Standortbedingungen. Nur dann können sie ihre volle Wirkung für Hitzeschutz, Stadtbild und Lebensqualität entfalten. Das Stadtbaumkonzept Jena kann hierfür als gutes Vorbild dienen, da es Stadtbäume systematisch im Zusammenhang von Klimawandel, Standortbedingungen, Baumartenwahl sowie Stadtentwicklung betrachtet und ihnen im Sinne einer „Grünen Infrastruktur“ eine ähnliche Bedeutung wie andere städtische Versorgungsstrukturen gibt.
    Gleichzeitig soll der Antrag ausdrücklich nicht auf eine reine Mengenlogik setzen. Entscheidend ist eine nachhaltige Pflanzstrategie nach dem Grundsatz: Qualität vor Quantität. Wenige großkronige, standortgerechte Bäume mit ausreichend Wurzelraum, guter Wasserversorgung und langfristigem Entwicklungsraum sind für Hitzeschutz, Stadtbild und Aufenthaltsqualität deutlich wertvoller als viele kleinteilige Pflanzungen ohne Zukunft. Auch vor dem Hintergrund der Haushaltslage sind nachhaltige Pflanzungen dringend geboten. Erlangen verfügt mit der Liste „Entsiegelung der Plätze in Erlangen“ und der „Klimaanalysekarte“ bereits über eine wichtige fachliche Grundlage zur Priorisierung. Für zeitnahe Realisierungen sollen aufgrund der herausfordernden Haushaltslage auch kreative Wege der Finanzierung gesucht und zivilgesellschaftliche Initiativen aufgegriffen und unterstützt werden. Ein Vorbild könnte das Spendenprogramm „Mein Baum für Braunschweig“ mit interaktiver Karte sein: https://www.braunschweig.de/leben/im_gruenen/baumspendenprogramm.php
    Dafür verweisen wir auf den überfraktionellen Antrag für ein Beteiligungsprogramm für Begrünung und Klimaanpassung.

Für die CSU-Fraktion:
Birgit Rudelt, Stadträtin
Matthias Thurek, Fraktionsvorsitzender

Für die Grüne/GL-Fraktion:
Bianca Fuchs, Sprecherin für Bioversität und Nachhaltigkeit
Tina Prietz, Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Klima und Energie