Resolution zur Zukunft der Wissenschaftsachse Erlangen-Nürnberg

Gegen das Kirchturmdenken – für ein nachhaltiges Entwicklungskonzept der Hochschulen in der Metropolregion Nürnberg

Nach dem Scheitern der Pläne zur Errichtung eines neuen Wissenschaftsstandorts „Auf AEG“ im Nürnberger Westen, in dem Teile der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) und der TH Nürnberg zusammen mit dem Energiecampus und dem NCT zu einem Forschungs- und Lehrcampus für bis zu 5000 Studierende und 850 Hochschulbeschäftigte integriert werden sollten, ist die Zukunft der Wissenschaftsachse Erlangen-Nürnberg wieder völlig offen.
Die Schuld für das Scheitern dieses mit großem Pathos von den drei Ministern Spaenle, Söder und Herrmann angekündigtem Vorhabens nach über drei Jahren Verhandlungen ist im unprofessionellen Vorgehen des CSU-Staatsregierung zu suchen, die die Planungen der beteiligten Hochschulen ins Leere laufen ließ.Die Ansiedlung von Teilen der Technischen Fakultät der FAU auf AEG, die eine Zusammenführung der TechFak von 28 auf insgesamt 2 Standorte vorsah, war Teil der Zukunftsstrategie FAU 2030, in deren Rahmen u. a. auch eine Konzentration der Philosophischen Fakultät in Erlangen im ehemaligen „Himbeerpalast“ der Siemens AG enthalten war. Damit verbunden war die Verlagerung der ehemaligen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät von Nürnberg nach Erlangen vorgesehen.
Ziel des Konzepts FAU 2030 war somit nicht nur eine räumliche Umsortierung der Fakultäten, sondern auch eine verstärkte Profilbildung an den Standorten Erlangen (Geisteswissenschaften) und Nürnberg (High-Tech, Energie, Nachhaltigkeit). Die eher naturwissenschaftlich geprägten Teile der TechFak hätten in Erlangen verbleiben sollen.
In Folge des Aus für den AEG-Campus plant die Staatsregierung nun laut Medienberichten, für den Teilumzug der TechFak ein anderes Gelände in Nürnberg zu finden. Für die TH bleibt offenbar die Möglichkeit, auf AEG zur Miete einzuziehen. Die ursprünglich erwünschten Synergieeffekte zwischen den Hochschulen und den dort bereits ansässigen Forschungseinrichtungen in Form eines Clusters für Nachhaltigkeitstechnologien und Kreativwirtschaft lassen sich so jedoch nur sehr schwer erzielen, was wir sehr bedauern.
Im Gespräch für die TechFak ist nun u.a. offenbar die sog. „Jokerfläche“ nahe des geplanten neuen Wohngebiets an der Brunecker Straße im Nürnberger Süden. Gegen den Umzug der TechFak regt sich aktuell Widerstand vor allem von Seiten der Erlanger CSU und anderen kommunalpolitischen Akteuren. Sie plädieren für einen Verbleib in Erlangen und den Ausbau vor Ort. Die Stadt Nürnberg beharrt dagegen auf der Ansiedlung der TechFak in Nürnberg als Kompensation für den Wegfall der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (die ebenfalls immerhin rund 3500 Studienplätze ausmacht).
Für uns Grüne in der Städteachse sind derzeit noch zu viele Fragen ungeklärt, um die Frage eines neuen Standorts für die TechFak und damit der Zukunft für die FAU insgesamt seriös entscheiden zu können. Nachdem seit 2013 umsonst geplant wurde, sind nun hektische Schnellschüsse kontraproduktiv und befeuern nur das Konkurrenzdenken zwischen den beiden Standorten. Die Frage der Weiterentwicklung ist aber nicht nur strukturpolitisch, sondern vor allem wissenschaftspolitisch zu beleuchten. Wir fordern daher von der Bayerischen Staatsregierung und der FAU vorab die Klärung folgender Sachverhalte:

  • Welche Detail-Komponenten enthält das Zukunftskonzept FAU 2030 im Einzelnen? Wie sind die Teilplanungen, die nicht direkt mit dem AEG-Campus zusammenhingen mittlerweile fortgeschritten? Lässt sich das Zukunftskonzept 1:1 auch mit einem anderen Standort für die TechFak realisieren? Wie wurden die 28 Standorte definiert – rein nach Adresse ohne Berücksichtigung der räumlichen Nähe? Steht alternativ auch ein Verbleib der EWF in Nürnberg zur Diskussion? Hält die Hochschulleitung derzeit überhaupt noch am Ursprungskonzept fest, oder soll nachjustiert werden? Zu diesen Fragen erwarten wir umgehend einen Bericht im Bayerischen Landtag und im Nürnberger und Erlanger Stadtrat.
  • Welche Flächen werden derzeit alternativ geprüft, und wie sieht der aktuelle Zeitraum aus? Zu diesen Fragen erwarten wir ebenso einen (nichtöffentlichen) Bericht in den entsprechenden Räten.

Für die darauf folgende ergebnisoffene Suche nach der besten Lösung gehen wir Grüne von folgender Grundlage aus:

  • Einem klaren Bekenntnis zu einer Universität der beiden Städte. Es ist die Universität Erlangen-Nürnberg und nicht Erlangen oder Nürnberg. Wir wollen beide Standorte zukunftsfähig weiter entwickeln, keiner davon soll schlechter gestellt oder gar „zurückgebaut“ werden.

Bei der Suche eines weiteren bzw. neuen Standortes für die TechFak spielen aus unserer Sicht folgende Kriterien eine wichtige Rolle:

  • Es muss eine sehr gute Erreichbarkeit zwischen den Standorten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben sein. Wünschenswert ist eine Fahrtzeit von 30 Minuten. Auch eine Fahrradschnellstrecke sollte realisiert werden.
  • Aus Sicht der Studierenden soll der Standort möglichst innenstadtnah sein, um eine Anbindung an die kulturelle und soziale Infrastruktur zu erreichen.
  • Bei den Verlagerungen einzelner Fakultäten soll die „Studierbarkeit“ im Vordergrund stehen, d.h. sinnvolle Konzentration zusammengehöriger Forschungs- und Lehreinheiten um kurze Wege zu ermöglichen.
  • Der Flächenverbrauch muss so gering wie möglich sein und dem Naturschutz und
    Walderhalt ist ausreichend Rechnung zu tragen.
  • Auf Basis dieser Eckpunkte müssen die Standortvorschläge geprüft werden. Wir
    erwarten, dass dies in einem transparenten Prozess erfolgt in den die
    Fachpolitikerinnen aller beteiligten Ebenen fraktionsübergreifend eingebunden werden.
    Auch erwarten wir, dass sich die Hochschulleitung und die Fakultätsleitung um eine
    zügige Überarbeitung ihrer Konzepte bemüht und darüber schrittweise informiert. In
    diesen Prozess sind vor allem auch die Studierenden und der so genannte
    wissenschaftliche Mittelbau aktiv mit einzubeziehen.

Hochschulen sind nicht nur die Trägerinnen technischer, geistiger und sozialer Innovationen
und wichtige gesellschaftliche Zukunftslabore, sondern auch Orte gelebter Demokratie.
Nutzen wir nun die Chancen, die die aktuelle höchst verfahrene Situation bietet, um aus
einem ursprünglich guten Konzept in einem demokratischen Prozess ein noch besseres zu
entwickeln! Wir mittelfränkischen Grünen werden dabei nicht locker lassen.

Resolution zur Zukunft der Wissenschaftsachse Erlangen-Nürnberg
der Abgeordneten Verena Osgyan, MdL
der Grünen/Grünen Liste im Erlanger Stadtrat
der Grünen Stadtratsfraktion Nürnberg

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