Erlangen West III

E-West IIINeuer Wohnraum der kurzen Wege oder Flächenfraß?

Soll im Westen von Erlangen zwischen Bimbach und Rittersbach ein neuer Stadtteil entstehen? Die gemeinsame Fraktion der GRÜNEN und Grüne Liste wird im Stadtrat zustimmen, dass Vorbereitende Untersuchungen für eine künftige städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Bereich »Erlangen West III« eingeleitet werden. Dann wird vorerst geprüft, ob die Voraussetzungen für die Entstehung eines neuen Stadtteiles überhaupt vorhanden sind. Die entsprechenden Flächen sind hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt und umfassen 196 Hektar – wobei maximal die Hälfte als potentielle Siedlungsfläche in Frage kommt.
Falls diese Voruntersuchungen grünes Licht für ein neues Siedlungsgebiet ergeben, könnten dort nach ersten Schätzungen in den Jahren 2022 – 2040 stufenweise bis zu 5.000 Wohnungen entstehen. In dieser Stadtrandlage soll flächenschonend mit hohem Grünanteil und guter Anbindung durch die Stadt-Umland-Bahn (StUB) geplant werden.

Eingriffe in Natur und Landschaft sind trotzdem unausweichlich. Die Folge ist auch ein weiterer Flächenverbrauch – wenn auch noch völlig unklar ist, in welchem Umfang.
Pro Jahr werden in Bayern rund 48 Quadratkilometer Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt. Der Flächenfraß beträgt also ca.13 Hektar pro Tag. Von der bayerischen Landesregierung wurden die Weichen in die falsche Richtung gestellt: z.B. mit der die Lockerung des „Anbindegebots“, die den Gemeinden mehr Spielraum bei der Ausweisung von Gewerbegebieten gibt und damit auch zum Ausbluten der Klein- und Mittelzentren führt. Das Volksbegehren »Betonflut eindämmen« will hier gegensteuern und den täglichen Flächenfraß auf 5 Hektar begrenzen.
Betroffene Landwirte fragen nun folgerichtig, warum in Erlangen die Grüne Liste-Stadtratsfraktion dieses Volksbegehren unterstützt und trotzdem sich nicht von vorneherein gegen ein neues Siedlungsgebiet stellt.

Die Schaffung von dringend notwendigen Wohnraum hat in der stark wachsenden Stadt Erlangen hohe Priorität, darüber sind sich alle einig. So steht es auch im grünen kommunalpolitischen Wahlprogramm. Die Nachfrage übertrifft das vorhandene Angebot bei Weitem, vor allem fehlt es an bezahlbaren und öffentlich geförderten Wohnraum.
Viele Beschäftigte finden keine geeignete Wohnung in der Stadt, ziehen deshalb ins Umland und pendeln täglich mit dem Auto zur Arbeit. Erlangen verzeichnet eine Einpendlerquote von 68,9%, das sind über 60.000 Menschen, die jeden Tag meistens mit dem Auto nach Erlangen fahren. Autos, die Emissionen in Form von Feinstaub, Stickoxiden und Lärm in großem Umfang in die Stadt bringen.

Nach den aktuellen Schätzungen der Verwaltung zeichnet sich bis zum Jahr 2040 ein Bedarf von 12.000 neuen Wohnungen ab. Durch innerstädtische Nachverdichtung können höchstens noch ca. 7.500 Wohneinheiten geschaffen werden, es fehlen also langfristig mindestens 4.500 Wohnungen. Auch bei fast allen Nachverdichtungsprojekten scheiden sich die Geister und es bilden sich Bürger*inneninitiativen für den Erhalt des Status Quo.

»Die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Wohnungsknappheit sind so gravierend, dass wir uns nicht gegen eine Vorbereitende Untersuchung für dieses neues Siedlungsgebiet im Erlanger Westen stellen«, sagt Wolfgang Winkler. »Allerdings verstehen wir die weitere Entwicklung als offenen Prozess«, so der Fraktionsvorsitzende weiter. »Bürger*innenbeteiligung, die Einbindung der Landwirtschaft, Naturschutzverbände und anderer Organisationen sowie ein umweltverträgliches Verkehrskonzept mit guter ÖPNV-Anbindung und Vorrang für den Radverkehr steht für uns im Vordergrund.«
Ob die Grüne Liste auch weiteren Schritten zustimmt, hängt von vielen weiteren Bedingungen ab. Im Vordergrund steht eine ausgewogene und ökologische Flächengestaltung mit möglichst wenig Versiegelung. Die Talräume der Bimbach und des Rittersbachs sind Landschaftsschutzgebiete und könnten im Zuge Siedlungsentwicklung ökologisch aufgewertet werden.
»Falls sich im Laufe der Beteiligung der Bürger*innen, Landwirtschaft und Naturschutzverbände andere Entwicklung ergeben, werden wir nicht an einer weiteren Siedlungsentwicklung festhalten«, betont Dr. Birgit Marenbach, Sprecherin für Stadtplanung. Auch wird es keine Enteignungen der Landwirtschaftsflächen geben. Gerade für die ökologisch bewirtschafteten Flächen, die im Gegensatz zur industriellen und teilweise auch der konventionellen Landwirtschaft zur Artenvielfalt beitragen, muss ein für alle Seiten zufriedenstellender Fortbestand oder Ausgleich gefunden werden.

Auf die Seite der kritischen Stimmen aus der Landwirtschaft stellt sich inzwischen die CSU. Obwohl »Erlangen West III« auch auf ihren Stadtratsantrag vom 18.10.2016 zurückgeht. Darin bedauert die größte Fraktion im Stadtrat, dass »die Entwicklung der städtischen Wohnbauflächen in Büchenbach abgeschlossen« ist und »eine weitergehende Planung« seit 2014 nicht vorangetrieben worden sei – also seit dem Wechsel zur rot-grün-gelben Stadtratsmehrheit. Die Verwaltung solle deshalb Bereiche in Erlangen aufzeigen, in denen »Wohnraum in den nächsten Jahren neu geschaffen werden kann (Entwicklung neuer Siedlungsflächen)«. Zudem sollen neue Gebiete benannt werden, »in denen in den nächsten Jahren Gewerbeflächen entwickelt werden können«. Bereits im sogenannten Kilpperplan aus dem Jahr 1978, der auch mit den Stimmen der CSU beschlossen wurde, sind im jetzt kontrovers diskutierten Untersuchungsgebiet Erlangen West III potentielle Siedlungsflächen dargestellt.

E-West III - Lage im Stadtgebiet

Sitzungsvorlage des Amtes für Stadtentwicklung und Stadtplanung – weitere Unterlagen der Stadtverwaltung

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